In der Nordostecke des heutigen Wasserburger Schlosses offenbart sich ein faszinierender Blick in die Vergangenheit – hier verbirgt sich der letzte Überrest des einstigen Turmhauses der Schellenberger Burg. Massive Mauerstärken zeugen noch heute von vergangenen Epochen. Nach der großzügigen Schenkung im Jahr 1537 setzten die Montforter in der Renaissancezeit eine prächtige Dreiflügelanlage in Szene. Ein Treppenturm und spitzwinklig zueinander stehende Seitenflügel schufen einen geschützten Innenhof.
Den erfolgreichen Abschluss dieser Bautätigkeit dokumentiert zum einen ein Wappenstein mit der Jahreszahl 1555 auf den Eckquadern des ehemaligen Wohnturmes an der Nordostecke, in etwa zehn Metern Höhe; zum anderen findet man die Jahreszahl 1560 auf einem Renaissancetürstock am obersten Absatz der Treppenturmspindel.
Der Schlossbrand vom 27. Februar 1750 verwandelte den Westflügel in ein schuppenartig abgeschrägtes Provisorium, das bis heute Bestand hat. Der noch erhaltene Ostflügel hat drei Geschosse und nach Süden und Norden drei, nach Western vier Fensterachsen.
Der heutige Schlosszugang auf der Ostseite über eine kleine Freitreppe ist wohl erst im 18. Jahrhundert entstanden, ebenso wie die in einer Segment-Bogennische stehende Haustüre. Typisch ist das Satteldach mit giebelseitigen Schopfwalmen. Die Dachkanten zeigen zeittypisches Profilgesims.
Im zweitem Geschoss wurde zum Schlossgarten hin eine ursprünglich vermauerte Türöffnung zu einem Balkon umgestaltet. Es ist möglich, dass hier entweder der Zugang zu einer Wehranlage bestand oder eine der üblichen hölzernen Abortanlagen angefügt war.
Der mittlere Südflügel hat auf der Seeseite nur zwei Geschosse zu vier Fensterachsen und ein Satteldach mit einem Schopfwalm im Western. Zum Schlosshof hin ist dieser Flügel dreigeschossig und wurde im Zuge der letzten Renovierung 1982 umgestaltet. Erhalten blieb ein rundbogiges Fenster mit Krangaube.
Der Schlosskeller unter dem Ostflügel ist zum Teil in den anstehenden Fels gehauen und von einer barocken Tonne überwölbt. Auch die Räume im ersten Stock darüber sind tonnengewölbt. Die flachen Kellerdecken des Südflügels werden durch vierkantige Holzpfeiler mit gefasten Ecken gestützt.
Das Gebäude des heute als deutsch-französisches Schülerheim genutzten ehemaligen Schlosstorkels entstand erst um 1820 und diente über längere Zeit als Lagerhalle an der Sommerlände der Lastschiffer. Am Rande des Schlossgartens steht heute die „Hülle“ des ehemaligen Amtshauses der Montforter, das aufgrund einer Schenkung des ersten bayerischen Königs Maximilian I. Joseph anno 1815 als Schulhaus in den Besitz der Gemeinde Wasserburg überging. Inzwischen haben sich leider das äußere Erscheinungsbild und der funktionale Baukörper völlig verändert.

