Der Obersee des Bodensees beherbergt über 30 verschiedene Fischarten. Zu den wirtschaftlich wichtigsten gehörten früher die Felchen, die in Bayern auch Renken, in Norddeutschland Maränen genannt werden. Im See schwimmen mehrere nahe verwandte Arten der silberfarbenen Fische. Sie unterscheiden sich in ihrem Lebensraum und in ihrer Lebensweise. Früher machte der Felchenfang 60 bis 75 % des jährlichen Fangertrags der Bodenseefischer aus. Der Fangertrag fiel von einst 800 Tonnen auf nur noch 21 Tonnen im Jahr 2022 – eine Folge des geringen Futterangebots im nährstoffarmen See. Im Vergleich zu früher wächst weniger Plankton heran – und damit auch weniger Nahrung für die Zooplankton fressenden Felchen. Mittlerweile ist das Rotauge der fangstärkste Fisch und hat das Felchen als „Brotfisch“ abgelöst.
Für die Berufsfischer im Bodensee sind Vorgaben wie die Anzahl und Größe der Netze, Maschenweiten, Schonmaße und Schonzeiten in der Bodenseefischerverordnung geregelt. Sie gelten für alle Anrainer (Deutschland, Österreich, Schweiz) gleichermaßen. Die Wasserburger Berufsfischer betreiben hauptsächlich die Fischerei vor dem bayerischen Seeufer – auf der Wysee und der Halde bis 25 m Wassertiefe. Dabei müssen sich die bayerischen Berufsfischer auf den 18 Kilometer langen Bodensee-Uferabschnitt zwischen Lindau-Zech (Leiblachmündung) und Nonnenhorn beschränken. Bei der ufernahen Fischerei stehen die Netze wie Vorhänge am Boden. Gefangen werden Flussbarsche (Kretzer, Egli), Hechte, Zander und Aale, gelegentlich auch Seeforellen, Welse und Trüschen. Einen beträchtlichen Anteil nimmt seit einigen Jahren auch die große Familie der karpfenartigen Fische ein, wobei das Rotauge am häufigsten ins Netz geht.
Viel Zeit nimmt bei den Berufsfischern mittlerweile auch die Weiterverarbeitung der Fische in Anspruch. Die Fischereibetriebe vermarkten ihre regionale Ware direkt und beliefern die heimische Gastronomie mit frischem Fisch aus dem Bodensee. Damit sich der Felchenbestand im See erholen kann, gilt ab 2024 eine dreijährige Schonzeit für diese silberfarbenen Fische. Alle anderen Bodenseefische können sie weiterhin direkt beim Berufsfischer fangfrisch oder geräuchert erwerben – ebenso wie Fische aus der Region.
Im Jahr 2020 wurde die Schutzgemeinschaft Bodenseefisch e.V. gegründet. Der internationale Zusammenschluss von Berufsfischern, Gastronomen, Genuss- und Tourismusorganisationen setzt sich gemeinsam für die Erhaltung einer nachhaltigen Berufsfischerei mit Bodenseefisch aus Wildfang ein. Die Schutzgemeinschaft hat die neue Marke „Wildfang Bodensee“ ins Leben gerufen und 2022 europaweit schützen lassen. Sie verspricht Fischgenuss mit Herkunftsgarantie.
