ENTSTEHUNG WASSERBURG

Einleitung

Entstehung von Wasserburg

Nummer: 1

Das Wappen

1954 wurde der Gemeinde Wasserburg durch das Kreispräsidium Lindau im Einvernehmen mit der Bayerischen Staatsregierung das Recht zur Führung eines Wappens zuerkannt.
Als »sprechendes Wappen« erhält es im unteren Bereich auf blauem Grund eine Burg im Wasser, im oberen Bereich den aufgerichteten, nach links blickenden Bären von St. Gallen auf weißem Silbergrund. Weiß und blau drücken die Zugehörigkeit zu Bayern aus.

Nummer: 2

Die Herrschaft Wasserburg im Wandel der Geschicht

Der Name »Wazzarburuc« für die feste Burg auf der kleinen Bodenseeinsel wird bereits im Jahre 784 in einer Sankt Gallener Urkunde erwähnt.
Vorgeschichte St. Gallen: Jene Urkunde nimmt Bezug auf die Wasserburger Sankt-Georgs-Kirche, die zum Kloster Sankt Gallen gehört. Noch vor der Jahrtausendwende wächst der Landbesitz dieses Benediktinerklosters durch zahlreiche Schenkungen so gewaltig an, dass die Verwaltung der großflächig verstreuten Besitztümer von belehnten Ministerialen besorgt werden muss.

 

 


Nummer: 3

Kißlegger bis 1280

Bis etwa 1280 sind die Herren von Kißlegg als Ministerialen nachweisbar. Kißlegg liegt im württembergischen Allgäu. 1280 heiratet die Erbtochter des Berthold von Kißlegg den Sohn Tölzer des Marquard I. von Schellenberg. Marquard und sein Bruder Ulrich, beide Landvögte des Herzogs von Schwaben, kaufen 1280 Wasserburg um 500 Mark Silber.

 

Nummer: 4

Die Herren von Schellenberg 1280 – 13

Waren freie Reichsministerialen – adlige Dienstmannen des Königs – und hatten ihren Sitz auf dem Eschnerberg bei Feldkirch. Sie umgaben Wasserburg sofort mit einer festen Mauer und bauten einen Turm und andere Gebäude im Laufe von sechs Jahren. Nach einer Fehde des Marquard III. von Schellenberg mit der Stadt Lindau wird die Festung Wasserburg von den Truppen des Städtebundes am See am 24. Juli 1358 in Schutt und Asche gelegt. Die schwere Niederlage zwingt die Schellenberger, ihr Lehen im Jahre 1374 an die Herren von Ebersberg zu verpfänden.

Nummer: 5

Ulrich und Rudolf von Ebersberg 1374 – 1386

Bereits nach 12 Jahren geben diese ihr »Wasserburger Pfand« an das mächtige Geschlecht der Grafen von Montfort-Tettnang mit Zustimmung des Abts von St. Gallen um 650 Pfund Heller weiter.

Nummer: 6

Die Grafen Monfort zu Tettnang 1384 – 15

Graf Hugo XVI. von Montfort, ein überaus gebildeter und besonnener Staatsmann, vermittelt im Bauernkrieg zwischen den aufständischen Seebauern und dem Schwäbischen Bund unter Truchseß Georg von Waldburg, dem »Bauernjörg«. Hugo XVI. geht als Vater des Weingartner Friedens von 1526 in die Geschichte ein und erhält 1537 das Schloss Wasserburg als Geschenk des dankbaren Abtes von Sankt Gallen. Die Montforter lassen daraufhin ihr Schloss im Renaissancestil umbauen und geben ihm die Gestalt, die in groben Zügen bis auf den heutigen Tag erhalten bleibt.

 

Nummer: 7

Die Grafen Fugger von Kirchberg und Weißenhorn zu Babenhausen 1592 – 1755

Durch eine hohe Verschuldung, möglicherweise wegen der enormen Bautätigkeit in ihrer Residenz Tettnang, sehen sich die Grafen von Montfort gezwungen, die Herrschaft Wasserburg für 63 000 Gulden an Jakob Fugger von Kirchberg, Weißenhorn und Babenhausen zu verkaufen. Von 1592 bis 1755 bestimmen nacheinander sechs Fugger-Grafen die Geschicke der kleinen Herrschaft Wasserburg. In ihrem Auftrag wird hier Recht gesprochen, es werden Münzen geprägt und bauliche Veränderungen vorgenommen, die bis heute Teile des Ortsbildes prägen. 1720 wird die Insel Wasserburg durch eine Aufschüttung mit dem Festland verbunden und damit zur Halbinsel.

Nummer: 8

Erzhaus Österreich 1755 – 1805

Im Jahre 1755 muss Graf Joseph Maria Fugger die Herrschaft Wasserburg an das Erzhaus Österreich, in dessen Diensten er steht und bei dem er hoch verschuldet ist, abtreten. Nur etwa 50 Jahre lang gehört Wasserburg zu Österreich, als Kaiser Napoleon im Frieden von Preßburg die Karte Europas neu ordnet.

Nummer: 9

1805 kam Wasserburg an Bayern

Wasserburg wird ebenso wie die ehemals Freie Reichsstadt Lindau nach dem Preßburger Frieden vom 26.12.1805 dem mit Frankreich verbündeten Königreich Bayern einverleibt. Die Pfarrei Wasserburg ist in vier Gemeinden aufgeteilt: Bodolz, Mitten, Hege und Nonnenhorn. Die neue Regierung verlangt neben der Einquartierung und Verpflegung der Truppen auch eine hohe Rekrutierungszahl aus der Wasserburger Bevölkerung. In den Napoleonischen Feldzügen und in den darauf folgenden Befreiungskriegen müssen viele junge Wasserburger Soldaten auf den europäischen Schlachtfeldern ihr Leben lassen. Die Landwehrbataillone bestehen noch lange über die Befreiungskriege hinaus. Auch in Nonnenhorn und Mitten exerzieren deren Füsilierkompanien.

1812 geht das stark heruntergekommene Schlossgebäude vom Königreich Bayern in Privatbesitz über. Etwa bis zur letzten Jahrhundertwende kann die Pfarrei Wasserburg ihre traditionsreiche, bäuerliche Struktur bewahren. Bis dahin wird der Broterwerb vornehmlich durch Weinbau und Viehzucht gesichert. Manche Bäuerin kann nebenzu ihre Einkünfte durch den Verkauf von Flachsprodukten, insbesondere Rohleinwand, verbessern. Die Fischerei ist erst zu Beginn unseres Jahrhunderts als Erwerbszweig in Wasserburg belegt, war sie doch neben der Jagd stets ein hoheitliches Privileg der adeligen Herrschaft. Um die Jahrhundertwende kommt der Weinbau weitgehend zum Erliegen und wird vom rentableren Obstbau abgelöst. Daneben setzt eine gezielte Fremdenverkehrswerbung ein – die Sommerfrische am vielbesungenen Bodensee wird ein Hauptziel der ersten deutschen Touristenströme.

Durch die Auswirkungen der beiden Weltkriege erfährt auch die dörfliche Entwicklung von Wasserburg gewaltige Rückschläge. Nach der französischen Besatzungszeit beherrscht die reine Zweckbestimmung das Denken der Dorfplaner. Die zunehmende Motorisierung setzt neue Maßstäbe für den örtlichen Straßenbau. Über Jahrhunderte gewachsene, für das Ortsbild typische Bausubstanz, geht dabei unwiederbringlich verloren. Erst in den letzten Jahren ist wieder vereinzelt eine Orientierung an den überkommenen Wertordnungen festzustellen. Nur ein harmonischer Dreiklang zwischen Zweckmäßigkeit, Tradition und naturbelassener Umwelt sichert auf Dauer eine nachhaltige und optimistische Zukunftserwartung.

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